Aus einem sehr aufschlussreichen und lehrreichen Text, den ich gerade per E-Mail bekommen habe und lese:

„Der Kulturwissenschaftler Thomas Bauer vertritt die These, dass die Gegenwart durch eine neue Intoleranz gegenüber Mehrdeutigkeit gekennzeichnet sei: Der neue religiöse Fundamentalismus genauso wie der aggressive Atheismus verneinen, dass religiöse Texte und Traditionen auf mehrdeutige Weise interpretiert werden können.

Die neue Überbetonung der Authentizität sowie die neue öffentliche Empörungskultur sorgen dafür, dass Bühnenschauspieler*innen anfangen sich zu fragen, ob sie moralisch/politisch verwerfliche Handlungen noch spielen sollten oder ob das Publikum massiv aufwühlende Mehrdeutigkeiten in Theaterstücken und Kunstwerken noch akzeptiert. Immer größer wird der Druck im Kunstbetrieb, moralisch problematische Darstellungen durch Publikumsgespräch, Programmheft oder Erklärungshinweisen „einzuordnen“.“

Wir brauchen definitiv mehr Ambivalenz und Dialektik. Das ist genau der Grund, warum ich mich als Antiismist bezeichne. Auch wenn so manch jemand meint, es sei Heuchlerei oder doppelzüngig, wenn ich mich so sehe und beschreibe und trotzdem genau ihrem Ismus ausgerechnet nicht auch widerspreche. Das ist aber gerade der Punkt: vorzuschreiben, welche Ismen abzulehnen sind, wäre wiederum ein Ismus. Ich mag aber keinerlei Dogmen, Orthodoxien, Ideologien und nichts, was missionarisch daherkommt.

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Und die Deutungshoheit, was Antiismismismus heißt, lasse ich mir auch nicht nehmen.

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